Die Welt verändert sich, Grenzen verschieben sich, und demokratische Gesellschaften stehen vor neuen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die Vergangenheit nicht als abgeschlossene Geschichte zu betrachten, sondern sie in ihren gesellschaftlichen, politischen und architektonischen Spuren zu lesen und in Beziehung zur Gegenwart zu setzen.
»Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Zukunft zu gewinnen«
Willy Brandt, 1913-1992
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1969-1974
Im Zentrum des Entwurfsstudios steht die Frage, wie sich aus bestehendem Leerstand neue bauliche und funktionale Perspektiven entwickeln lassen. Dabei sollen zeitgemäße urbane Nutzungen aus den vorhandenen räumlichen, materiellen und historischen Qualitäten des Bestandes heraus entwickelt werden. Das Entwurfsstudio untersucht hierzu leerstehende Funktionsgebäude an der ehemaligen Grenze zum Hafen der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus vorhandenen baulichen, materiellen und historischen Qualitäten neue räumliche, funktionale und gesellschaftliche Perspektiven entwickelt werden können. Der Bestand wird dabei als architektonisches Palimpsest verstanden: Frühere Nutzungen, bauliche Überlagerungen, konstruktive Bedingungen und historische Zeitschichten sollen analysiert, bewertet und in ein neues Nutzungskonzept überführt werden. Ziel ist es, Strategien der Reaktivierung, Umnutzung und Weiterentwicklung zu entwerfen, die den Bestand nicht nur erhalten, sondern seine Anpassungsfähigkeit im architektonischen und urbanen Kontext sichtbar machen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem zirkulären Bauen im Bestand. Vorhandene Materialien, Bauteile und Strukturen werden als Ressource verstanden und im Entwurf weitergedacht. Das Studio fragt damit nach zeitgemäßen Formen des Weiterbauens und nach resilienten Konzepten für leerstehende Gebäude in der Stadt.