Leben gründet auf Material. Irdische Prozesse sind Materialprozesse. Material wird der Erdkruste entnommen und unter bestimmten Einwirkungen prozessiert. Die Art der Gewinnung und Transformation entscheidet über den Grad seiner Nachhaltigkeit und möglicher Zirkularität.
Materialentwicklung ist für die Gesellschaft im Hinblick auf technologische und ökologische Probleme unverzichtbar. Für eine Hochschule kann Materialforschung eine Möglichkeit sein, als zukunftsgewandte, gesellschaftlich relevante Akteurin aufzutreten.
Der Freistaat will der Technischen Hochschule Nürnberg ein im Eigentum der Stadt befindliches Grundstück kaufen. Das Grundstück liegt an der Hirsvogelstraße in unmittelbarer Nähe des Stammareals. Auf ihm soll ein Institut für nachhaltige Materialentwicklung (INaM) errichtet werden. Trotz der gegenwärtigen Bedeutung der Materialforschung ist die Hochschule aber auch anderen gesellschaftlichen, ökologischen und technischen Veränderungen und einer ständigen Konkurrenzsituation ausgesetzt. Inwieweit sind deswegen für ein neu zu definierendes Gebäude und Erscheinungsbild der Hochschule andere Programmbausteine unerlässlich? → introvertiertes Laborgebäude vs. extrovertiertes Signature Building
Das Grundstück ist Teil der Parzelle des Stadtbiotops Cramer-Klett-Park. Der Park ist historischer Gartenstandort, ehemals barocke Gartenanlage und englischer Landschaftsgarten, seit 1923 öffentliche Parkanlage und als Grünfläche in der Stadt von großer Bedeutung. Seine Ränder sind teilweise nicht oder wenig räumlich formuliert. Was sind die stadträumlichen und raumbildenden Potenziale des Aufeinandertreffens?
→ Park vs. Baute(n)
Das Leben im Park kann als Pars pro Toto für die Stadtöffentlichkeit gelesen werden. Der Park ist zudem Habitat für nicht-menschliche Lebewesen. Als aktive Akteurin mit der Fähigkeit, Voraussetzungen zu schaffen, wirkt Architektur auf die Beziehungen zwischen Lebewesen ein. Sie regt an, erleichtert oder verhindert. Wer trifft auf wen und wie? Mit wem soll in Diskurs getreten, zu wem oder was soll eine Schnittstelle gebildet werden? → Frau/Herr Stadtbewohner/in, Vogel, Säugetier, Pflanze vs. Studierende, Frau/Herr Forscher/in
Der Park ist geprägt von markantem altem Baumbestand. Auf dem Grundstück steht eine Platane, ein geschütztes Naturdenkmal mit weit ausladender Krone, der Raum gegeben werden muss. Was ist ästhetisch dominant? → Baum vs. Gebäude
Die Forschungsunits sind in Größen und Anforderungen definiert: funktionale Labore und Werkstätten der infrastrukturellen Logik folgend. Inwieweit können durch zusätzliche erweiternde Programmbausteine eine komplementäre Logik und Schnittstelle zur Öffentlichkeit formuliert werden? Wie entsteht Struktur? → Must-haves vs. Nive-to-haves
Die Labore sollen der Entwicklung von polymeren und metallischen Werkstoffen sowie energieeffizienten Bau- und Dämmstoffen gewidmet werden. Jede Technologie, jeder spezielle Werkstoff hat immer einen Bedarf in seiner Zeit. Welche zeitlichen Dimensionen gilt es anzusetzen? → Nachhaltigkeit über Konstanz vs. Nachhaltigkeit über Anpassbarkeit
Gesucht ist ein Bebauungsvorschlag, der die angerissenen Gegensätze auf Grundlage der eigenen Recherche und des konzeptionellen Statements angemessen und zugleich erfinderisch verhandelt.